Wahlen in Russland

Russland hält Wahlen ab. Aber es hat keine.

Was am 15.–17. März 2024 als „Präsidentschaftswahl" inszeniert wurde — offiziell 87,28 Prozent für den Amtsinhaber bei angeblich 77 Prozent Beteiligung, abgehalten auch auf besetztem ukrainischem Boden, ohne einen einzigen echten Gegenkandidaten — war kein Wettbewerb um Macht, sondern eine Loyalitätszeremonie mit Wahlurnen als Requisite.

Das russische Wahlsystem ist nicht „unfair". Es ist eine Fälschung ihrem Zweck nach. Es produziert keine Legitimation, es simuliert sie. Und genau diese Simulation ist eine Säule des Angriffskriegs: Ein Herrscher, der niemandem Rechenschaft schuldet, kennt keine Bremse, die ihn vor Aggression, Massenrepression und dem Verheizen der eigenen Bürger schützt.

Die Lage

Wie die Fälschung funktioniert: Zulassungskontrolle, Kommunalfilter, elektronische Blackbox, die zerschlagene Beobachtung — und der Export in besetzte Gebiete.

Der Weg

Warum nach einem Umbruch nicht sofort gewählt werden darf. Russland hat es 1991 versucht. Es kostete fünfundzwanzig Jahre und einen Krieg.

Die Regeln

Sechzehn Artikel für eine Wahl, deren Ergebnis nicht vorher feststeht: unabhängige Kommission, Auszählung je Wahllokal binnen 24 Stunden, Beobachter mit Zugang.

Die Zählung Abstimmung

Wie man technisch zählt, ohne dass Person und Stimme je zusammenkommen — ein Entwurf, kein System.

Abstimmung: Welche Person willst du sehen?

Community-Abstimmung, Nominierungsphase offen. Registrierung ohne Klartext-Speicherung, offene Liste, Nachwählen erlaubt. Keine geheime Wahl — die Grenzen stehen auf der Seite.

Die Haltung dieser Seite

Wir sind nicht gegen Russland. Wir sind gegen ein System, das den Russen ihre eigene Souveränität stiehlt, indem es ihre Stimme fälscht. Das ehrlichste pro-russische Ziel, das man haben kann, ist eine russische Wahl, deren Ergebnis nicht vorher feststeht.

Niemand von außen wählt Russland eine Regierung. Das dürfen und können nur die Russinnen und Russen selbst. Was von außen möglich ist: die Fälschung nie als Legitimation anzuerkennen; die Fähigkeit zur Demokratie am Leben zu halten, wo das Regime sie erstickt; und einen fertigen Bauplan für echte Wahlen bereitzuhalten — damit ein Übergang, wann immer die Russen ihn selbst erzwingen, nicht wieder im Chaos endet und vom nächsten starken Mann gekapert wird, so wie die 1990er im Putinismus endeten.

Warum Zögern gefährlich ist

Übergänge kommen plötzlich und unvorhergesehen — der Zerfall 1991, die Bolotnaja-Proteste 2011/12, der Prigoschin-Aufstand im Juni 2023 zeigten, wie spröde das System unter der glatten Oberfläche ist. Wer erst am Tag X anfängt, über eine unabhängige Wahlkommission nachzudenken, hat schon verloren: Das Vakuum füllt der Bestbewaffnete, nicht der Bestgewählte. Genau so entstand aus dem Chaos der 1990er der Putinismus. Vorbereitung ist die günstigste Versicherung gegen eine Wiederholung dieser Falle.

Herausgeber: Andrii Solokha · FDZ — Freedom, Democracy and Future, in Gründung · Die Fakten zur Lage stammen aus öffentlich dokumentierten Vorgängen (Entscheidungen der Zentralen Wahlkommission, Gerichtsurteile, OSZE/ODIHR-Berichte, UN-Resolution ES-11/4, statistische Wahlforensik). Größenordnungen sind als solche gekennzeichnet.

Stand: 18.09.2026 · ImpressumDatenschutz